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Augustiner-Chorherren, Ordo Canonicorum Regularium Sancti Augustini (CRSA)




Die Augustiner-Chorherren haben einen bedeutenden Beitrag in der Geschichte der Kirche und für die Entwicklung der abendländischen Kultur geleistet. Seit dem 12. Jahrhundert entwickelte sich der Orden zum größten und kulturell bedeutendsten Kanonikerorden. Die Augustiner-Chorherren wurden nicht von einer Einzelperson oder einer Gruppe gestiftet, sondern sind das Ergebnis eines langen historischen Prozesses. Der Orden besaß demnach keine Ordensleitung, sein Bemühen bestand vielmehr darin, eine Synthese aus klösterlich formierten Gemeinschaftsleben und priesterlichem Dienst zu bilden. Zeitnahe, spirituelle Strömungen wurden aufgenommen oder wirkungsvolle Impulse einzelner Gruppen umgesetzt. So wurde während der gregorianischen Reform des 11. Jahrhunderts versucht, den bestehenden Chorherrengemeinschaften eine strengere monastische Prägung (geordnetes Gemeinschaftsleben und persönliche Besitzlosigkeit) zu verleihen. Aus diesem Grunde wurde bei der Lateransynode von 1059 unter strikter Ablehnung der Aachener Regel von 816 die Augustinusregel, dem gemeinsamen Leben nach den Leitsätzen des heiligen Augustinus, vorgeschrieben. Die Reform setzte sich nur nach und nach und auch nicht bei allen Kanonikerstiften durch. So kam es zu einer Aufspaltung in regulierte Chorherren (Canonici Regulares mit der Augustinusregel - gemeinsames Leben und persönliche Besitzlosigkeit) und Säkularkanonikern (Canonici Irregulares nach der Aachener Regel - Leben in getrennten Haushaltungen mit persönlichem Eigentum). Im Zuge der Reform kam es besonders im deutschsprachigen Raum zu einer Welle von Klostergründungen, so dass die Zeit von der Mitte des 11. bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts als das Jahrhundert der Chorherren bezeichnet werden kann.

Im Norddeutschen Raum  wurden im Laufe des 12. Jahrhunderts drei Augustiner-Chorherrenstifte gegründet. Zu ihnen gehörten in Segeberg St. Maria / St. Johannis (1131), das Domkloster in Lübeck (1160) und das in Neumünster / Bordesholm gegründete Augustiner Chorherrenstift St. Maria (1127/1327). In Segeberg gab Kaiser Lothar den Befehl zur Errichtung einer Burg auf dem Kalkberg und gründete 1131/1134 mit Hilfe des Bischofs Vizelin das Stiftskloster. Aufgrund von Rivalitäten zwischen dem Schauenburger Grafen Adolf und dem Lehnsmann der Grafschaft Ratzeburg Heinrich von Badwide wurde die Burg zerstört und das Kloster zunächst verlegt. Der Rückzug nach Segeberg erfolgte im Jahre 1156 wo es zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges zerstört und seine Reste 1620-1630 abgetragen wurden. Im Zuge der Lübecker Stadtgründung um 1160 entstand eine kleine provisorische Kirche aus Holz , die 1173/74 von Herzog Heinrich dem Löwen und Bischof Heinrich als Ort des zukünftigen Lübecker Doms genutzt wurde. Zeitgleich stifteten sie mehrere Pfründen für zwölf Domherren und den Propst. Unter welchen Regeln die Domherren ihr gemeinschaftliches Leben führten ist nicht sicher belegt, die Verpflichtung zum gemeinsamen Leben verweist jedoch recht klar auf die Augustinerregeln. Im Jahre 1127 fand Vizelin im Zuge seiner Missionstätigkeiten in Wippendorf eine Kapelle oder Kirche vor, deren erster Priester er wurde. Spätestens im Jahre 1139 stand er dann als Propst dem "Konvent der regulierten Chorherren zu St. Marien" in Wippendorf vor. Der Augustiner-Orden gab dem Ort seinen neuen Namen "Novum monasterium" (Neumünster). Durch reiche Schenkungen adeliger Familien konnte das Kloster umfangreichen Landbesitz erwerben. Im Verlauf des Jahrhunderts entstand ein Plan zur Verlegung des Klosters in eine ruhigere Gegend. Der Erzbischof von Bremen erteilte 1290 die Genehmigung. Doch die Umsiedlung nach Bordesholm erfolgte erst in den Jahren 1327-1332. In Neumünster verblieb das alte Kloster als Nebenkloster bis in das 15. Jahrhundert hinein. Unter Herzog Friedrich I. erfuhr das Kloster eine kulturelle Blütezeit. Neben umfangreichen Erweiterungen und Erneuerungen der Ausstattung mit Altären, Chorgestühl und Orgel, stiftete Herzog Friedrich 1514 den "Bordesholmer Altar" von Hans Brüggemann. Das Grabmal Friedrichs in der Klosterkirche zu Bordesholm blieb allerdings leer. Er fand infolge seiner Wahl zum dänischen König seine Ruhestätte im Dom zu Schleswig. Nach Erfindung  des Buchdrucks wurde die bereits bestehende Bibliothek mit Werken aus dem 12. Und 13 Jahrhundert  nochmals erweitert. Im Jahre 1566 wurde das Kloster im Zuge der Reformation von Herzog Johann förmlich aufgehoben.

Zur Zeit seiner größten Blüte im Mittelalter hatte der stattliche Orden etwa 4500 Niederlassungen in ganz Europa. Anfang des 19. Jahrhunderts, nach Reformation, Aufklärung, Klostersturm und Säkularisation blieben ein Dutzend Häuser in Österreich in der Schweiz und in Italien übrig. Im Jahre 1959 schlossen sich alle Augustiner Chorherren unter einem gemeinsamen Abt zusammen.
S.P.





                         

Älteste Darstellung des Augustinus, Mosaik an der Kapelle Sancta Sanctorum in der
Bibliothek von Papst Gregor dem Großen im Lateranpalast in Rom, 6. Jahrhundert






Klöster




Bordesholm St. Maria
Augustiner-Chorherren
1327/1332 - 1566

Neumünster nova monasterium

Augustiner-Chorherren

ca. 1127 - 1327/1332

Segeberg St. Maria, St. Johannes Ev.

Augustiner-Chorherren

1134 - 1520